Physiotherapie bei Kiefergelenksbeschwerden

Beschwerden im Kiefergelenk sind häufig – und werden doch oft unterschätzt. Schmerzen beim Kauen, Knacken im Gelenk, eingeschränkte Mundöffnung, Druck im Gesicht oder sogar Kopfschmerzen können ihren Ursprung im Bereich des Kiefergelenks haben. Nicht selten treten zusätzlich Nackenbeschwerden, Schwindel oder Verspannungen im Schulterbereich auf.

Das liegt daran, dass das Kiefergelenk kein isoliertes System ist. Es ist funktionell eng mit der Halswirbelsäule, der umgebenden Muskulatur und dem Nervensystem verbunden. Wer das Kiefergelenk behandeln möchte, muss deshalb weiter denken als bis zum Unterkiefer.

Das Kiefergelenk im körperlichen Zusammenhang

Das sogenannte craniomandibuläre System – also das Zusammenspiel zwischen Schädel, Unterkiefer und Muskulatur – ist direkt mit der oberen Halswirbelsäule verbunden. Besonders die ersten beiden Halswirbel, Atlas und Axis, spielen dabei eine zentrale Rolle. In diesem Bereich verlaufen wichtige nervale Strukturen sowie Gefäßverbindungen, die Einfluss auf Muskelspannung, Durchblutung und Koordination haben.

Veränderungen oder Spannungszustände im Bereich der oberen Halswirbelsäule können sich deshalb auf das Kiefergelenk auswirken – und umgekehrt. Eine erhöhte Spannung in der Kaumuskulatur kann wiederum Einfluss auf die Haltung und die tiefe Nackenmuskulatur nehmen. Es entsteht ein funktioneller Kreislauf, der nicht durch isolierte Maßnahmen gelöst werden kann.

Genau hier setzt die physiotherapeutische Arbeit an.

Ganzheitliche Betrachtung statt isolierter Behandlung

In der spezialisierten Kiefergelenkstherapie betrachten wir nicht nur die Beweglichkeit des Unterkiefers, sondern das gesamte Spannungs- und Haltungssystem. Wie arbeitet die tiefe Halsmuskulatur? Wie ist die Position von Atlas und Axis organisiert? Gibt es muskuläre Überaktivität im Gesichts- oder Nackenbereich? Wie verhält sich die Atmung?

Das Ziel ist nicht allein, das Gelenk „zu mobilisieren“, sondern Spannung neu zu regulieren und die funktionelle Zusammenarbeit der beteiligten Strukturen zu verbessern.

Dabei geht es häufig um feine, präzise Impulse. Manuelle Techniken im Bereich des Kiefergelenks werden ergänzt durch Arbeit an der oberen Halswirbelsäule, an der Nacken- und Schultermuskulatur sowie an der tiefen Stabilisation. Auch das vegetative Nervensystem spielt eine Rolle, da Stress und Anspannung direkten Einfluss auf die Kaumuskulatur haben können.

Spezialisierte Therapie mit Erfahrung

Mit Alexandra Stössel verfügt unser Team über eine spezialisierte Therapeutin im Bereich Kiefergelenkstherapie. Ihre Arbeit verbindet fundiertes anatomisches Wissen mit einem ganzheitlichen Blick auf das Zusammenspiel von Kiefer, Halswirbelsäule und Körperhaltung.

Die Behandlung erfolgt individuell und strukturiert. Neben manuellen Techniken erhalten Patientinnen und Patienten bei Bedarf gezielte Übungen zur Regulation der Muskelspannung und zur Verbesserung der Koordination. Ziel ist es, nicht nur Symptome zu lindern, sondern das System insgesamt stabiler und belastbarer zu machen.

Wann ist eine Kiefergelenkstherapie sinnvoll?

Eine physiotherapeutische Abklärung kann sinnvoll sein bei:

  • Schmerzen oder Druckgefühl im Kieferbereich
  • Knacken oder Reiben im Gelenk
  • eingeschränkter Mundöffnung
  • Zähneknirschen oder -pressen
  • wiederkehrenden Kopfschmerzen
  • Nackenverspannungen unklarer Ursache
  • Beschwerden nach zahnärztlichen Eingriffen

Auch in Zusammenarbeit mit Zahnärztinnen und Zahnärzten – beispielsweise bei Schienentherapie – kann Physiotherapie eine wertvolle Ergänzung sein.

Unser Anspruch

Bei Physiotherapie Tössallmend verstehen wir Kiefergelenksbeschwerden nicht als lokales Problem, sondern als Ausdruck eines funktionellen Zusammenhangs. Unser Ziel ist es, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und gemeinsam mit Ihnen Lösungen zu entwickeln, die langfristig tragen.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden mit dem Kiefergelenk zusammenhängen, beraten wir Sie gerne persönlich. Manchmal liegt der Ursprung näher – oder weiter – als man zunächst denkt.